Fotografieren, Telefonieren und die dazu notwendige Stromversorgung
Zur Dokumentation meiner Reise hatte ich eine Digital-Video-Kamera mitgenommen, in die zusätzlich eine kleine Speicherkarte gesteckt werden kann, auf der man mehrere hundert Bilder in der Auflösung 480 x 640 Pixel oder etwa 60 Bilder mit 1568 x 1152 Pixeln speichern kann. Außerdem hatte ich am Anfang (bis Prag) auch noch eine relativ schwere Spiegelreflexkamera und zusätzlich zur Spiegelreflex ein Teleobjektiv mit. Die Spiegelreflex wurde bis Prag nicht genutzt, das hohe Gewicht in der Lenkertasche störte mehr als gedacht und andere wichtige Dinge hatten in der Lenkertasche zu wenig Platz. Deshalb schickte ich die Spiegelreflex kurzentschlossen von Prag mit der Post nach Hause.
Ist die digitale Fotografie besser? Beide Fotografiersysteme (digital und chemisch) haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Die Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Man sollte dabei berücksichtigen, was man später mit den Bildern machen will. Der Aufwand, der nötig gewesen wäre, um die Vorteile beider Systeme auf meiner Radtour zu nutzen, war mir persönlich zu groß. (Schließlich hat man unterwegs auch noch andere Sorgen und will ja auch irgendwann weiter kommen.)
Die klassische (chemische) Fotografie liefert bei Consumer-Produkten heute immer noch die von der Auflösung und Farbe her besseren Bilder. Wer später Vergrößerungen machen lassen will, die deutlich größer als eine Postkarte sind, oder wer gute Dias haben will, ist wohl bis auf Weiteres mit der klassischen chemischen Fotografie besser bedient. Außerdem sind gute Fotoapparate der klassischen Art bisher noch erheblich preisgünstiger als mittelmäßige Digital-Apparate. Entsprechendes gilt für die Papierbilder.
Ein großer Vorteil der digitalen Fotografie ist, dass man von einem Motiv leicht mehrere Aufnahmen machen kann. Die Bilder der Serie kann man anschließend gleich begutachten. Gute Aufnahme behält man, die anderen werden gleich wieder gelöscht. Wenn einen keine der Aufnahmen zufriedenstellt, kann man gleich noch weitere Bilder mit geänderten Einstellungen machen. Das setzt allerding voraus, dass Blende, Belichtungszeit und Entfernung auch manuell einstellbar sind. Außerdem sollte der Apparat nicht nur ein Display auf der Außenseite und einen Durchblicksucher haben sondern auch einen Sucher, in dem man das endgültige Bild betrachten kann. Das LCD-Display außen auf dem Gerät erlaubt bei ausreichend viel Licht für gute Aufnahmen oft keine zuverlässige Beurteilung der Ergebnisse. Bei viel Sonne sieht man auf dem Display oft überhaupt nichts. Die genannten Merkmale erscheinen mir deshalb wichtiger als eine besonders hohe Pixel-Anzahl. Wem eine hohe Auflösung wichtig ist, sollte überlegen, ob er bis auf Weiteres nicht doch besser bei der chemischen Fotografie bleibt.
Die von mir eingesetzte Kombination Camcorder mit Band für Filmaufnahmen und einer Speicherkarte für digitale Fotos hat sich als guter Kompromiss herausgestellt. Zum Fotografieren verwendete ich fast immer nur die 480 x 640 Pixel-Einstellung. Die Auflösung reicht dabei für Papierbilder bis Postkartengröße und für Bilder auf dem PC- und Fernsehbildschirm und erlaubt die Speicherung von etwa 250 Aufnahmen in bester JPG-Qualität (d.h. wenig Komprimierung und entsprechend größere Dateien) auf einer 32-MB-Karte. Die höhere Komprimierung der im Internet veröffentlichten Bilder habe ich erst später vor der Übertragung zum FTP-Server vorgenommen, damit der Aufbau der Seiten mit vielen Bildern nicht zu lange dauert. Die auf der Kassette aufgezeichneten Standbilder waren aber alle höchstens für den Fernsehbildschirm geeignet. Der von mir verwendete Camcorder erfüllt im Übrigen die oben genannten Anforderungen (manuelle Einstellmöglichkeiten von Blende, Belichtungszeit, Entfernung und Weißabgleich sowie guter Farbsucher). Er war auch nicht ganz billig. In dem Menschengewühl mit der großen sozialen Spannweite in St.Petersburg machte ich mir deshalb gewisse Sorgen als ich mit der Kamera durch die Menschenmassen lief. Eine weitere Schwäche der Camcorder-Kombination ist, dass die Aufzeichnung der Bilder auf der Speicherkarte etwas langsamer ist (etwa 4 Sekunden pro Bild) als bei den heute üblichen digitalen Fotoapparaten. Die Camcorder-Kombination ist daher wenig geeignet für eine schnelle Folge von Schnappschüssen. Außerdem gibt es keinen Selbstauslöser, nur den Notbehelf mit der Infrarot-Fernbedienung. Die Fernbedienung funktioniert bei hellem Sonnenlicht aber oft nur aus sehr kurzem Abstand. Wer nur digitale Fotos machen will, ist bei einer vergleichbaren Investition mit einem digitalen Fotoaparat wahrscheinlich besser bedient als mit einer Camcorder-Kombination.
Auch in den ehemaligen Ostblockstaaten sind Mobiltelefone (nur in Deutschland Handy genannt) inzwischen keine Seltenheit mehr. In der Nähe von größeren Ansiedlungen bekommt man fast immer eine Verbindung. Telefonzellen habe ich hingegen nur selten entdeckt.
In Russland hatte ich mit meinem alten D1-Handy allerdings oft kein Netz während die Russen neben mir eifrig mobil telefonierten. Vielleicht wäre ich mit einem der heute üblichen Dualbandhandys besser dran gewesen. Das Telefonieren ins Ausland ist von Russland aus noch sehr teuer. Ein Gespräch mit meinem (deutschen) Mobiltelefon kostete in Russland etwa 13,00 DM pro Minute, sowohl bei eigenen Anrufen nach Deutschland als auch bei entgegengenommenen Gesprächen. Die Mobilbox in Deutschland wird man bei diesen Preisen wohl besser deaktivieren. Festnetz-Gespräche von Russland nach Deutschland kosten etwa die Hälfte.
Ein Handy-Gespräch nach Deutschland kostete in den baltischen Staaten etwa 6,00 DM pro Minute, in Tschechien, Polen und Norwegen etwa 1,70 DM pro Minute (auch nachts und am Wochenende).
Überall traf ich auf den auch bei uns üblichen 220 Volt Wechselstrom. Stecker nach der Euronorm und entsprechende Stecker-Netzteile passten überall in die Steckdosen. Die Mitnahme von Zwischensteckern für verschiedene andere Normen hätte ich mir sparen können.
Obwohl ich meistens zeltete, war es nie ein Problem, das Mobiltelefon und den Akku für den Camcorder nachzuladen. In jedem Restaurant, Kaffee und in jeder Imbissbude gab es passende Steckdosen. Natürlich fragte ich immer zuerst. Eine Ablehnung habe ich niemals erfahren.
Die von mir benutzten Lithium-Ionen-Akkus haben sich bestens bewährt. Sie waren viel länger nutzbar als vergleichbare MetalHybrid-Akkus und eine Selbstentladung bei ausgeschalteten Geräten war auch nach vielen Tagen nicht feststellbar. Den problematischen Memory-Effekt der alten NC-Akus gibt es bei LI- und MH-Akkus nicht und man kann deshalb jederzeit Akkus, die noch mehr oder weniger voll sind, nachladen. Insgesamt also keine Probleme mit der Stromversorgung.