Uebernachtung und Ernährung unterwegs
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Es ist im Sommer zweckmäßig und angenehm, wenn man auf der gewählten Strecke ein leichtes, aber nicht zu kleines Zelt dabei hat.
In Tschechien, Polen und den baltischen Staaten sind offizielle Zeltplätze außerhalb der Urlaubsgebiete (Berounka-Tal bei Karlstein westl. von Prag, Masurische Seenplatte in Polen, Otepää in Estland) extrem selten und im Mai fast überall noch nicht geöffnet.
In Russland sind Campingplätze vermutlich unbekannt. Mehrfach fand ich in der russischen Tundra allerdings verlassene Lagerplätze mit alten Feuerstellen. In Russland zeltet man offensichtlich noch häufig "wild". Auffällig war, dass die Leute dabei das Feuerholz in etwa 1m Höhe mit der Axt aus dem Stamm eines großen Nadelbaums heraushauen bis der ganze Baum schließlich umfällt; er wird dann nicht weiter verwendet, sondern man macht sich an den nächsten Baum. Zurückgelassener Abfall war an solchen Plätzen in der russischen Tundra allerdings nie zu finden. Ein einziges Mal hab ich an so einem Platz auch selbst einmal ein Lagerfeuer gemacht - natürlich ohne Baumbeschädigung. Das war richtig heimelig in der menschenleeren Wildnis. In anderen Gegenden wird man das mit dem Lagerfeuer aber wohl besser bleiben lassen, nicht nur wegen der Waldbrandgefahr, sondern auch wegen dem unnötigen Risiko entdeckt zu werden.
In Norwegen schließlich traf ich dann 50 km hinter Kirkenes zum ersten Mal wieder auf einen richtigen, offiziellen Zeltplatz. Die in Norwegen und später in Schweden häufigeren Zeltplätze waren i.d.R. von überschaubarer Größe, privat bewirtschaftet und immer sehr gut ausgestattet (gepflegter Rasen, saubere Sanitäranlagen mit warmer Dusche, oft auch mit Münzwaschmaschinen - den für den Radwanderer nach einer Wäsche sehr wichtigen Wäschetrockner findet man allerdings auf höchstens 50 % der Plätze, Einkaufsmöglichkeiten und/oder Gaststätte auf Zeltplätzen in der meist ländlichen Umgebung noch seltener). Das Übernachten auf Zeltplätzen ist in Norwegen relativ teuer (umgerechnet mindestens 25,00 DM). Erfreulicherweise ist in Norwegen und Schweden auch das wilde Zelten offiziell erlaubt, sofern man sein Zelt nicht in der Nachbarschaft von bewohnten Gebäuden aufschlägt und wenn man darauf achtet, landwirtschaftlich genutzte Flächen und die Natur nicht zu beeinträchtigen - also keine Feuerstellen anlegen und keinen Müll liegen lassen! Letzteres wird man als naturverbundener Radwanderer (hoffentlich) sowieso nie machen.
Nachdem ich das Bedürfnis hatte, wenigstens alle 5 bis 6 Tage einmal warm zu duschen, nahm ich mir auf dem Weg bis zur norwegischen Grenze hin und wieder ein Hotelzimmer. In St.Petersburg, wo Hotels und Preise inzwischen Weltstadtniveau erreicht haben, fand ich eine Übernachtungsmöglichkeit in der Jugendherberge, zentral gelegen nordöstlich vom Moskaubahnhof (Adresse: 3.Sovjetskaja 28). In den weiteren russichen Städten bis Murmansk, auch in den kleineren, gab es überall ordentliche Hotels mit sehr guten Restaurants - nur die Matratzen waren in Russland regelmäßig sehr schlecht und die Badezimmer entsprechen noch nicht bundesdeutschem Standard. In Norwegen, wo alles sehr gepflegt, aber auch viel teuerer als in Deutschland ist, sind Hotels außerhalb der Städte nur selten anzutreffen. Häufiger werden kleine Hütten zur Übernachtung angeboten. Diese sind gut ausgestattet, kosten aber immer über 100,00 DM pro Nacht (unabhängig von der Anzahl der übernachtenden Personen). Nachdem ich alleine reiste und ohnehin das Zelt mit hatte, leistete ich mir in Norwegen und Schweden relativ selten ein Hotel, aber des öfteren die Übernachtung auf einem der komfortablen und gepflegten Zeltplätze.
Meistens aber zeltete ich außerhalb der großen Ballungsräume "wild". Dabei achtete ich stets darauf, dass ich wenigstens zwei km von der nächsten Ansiedlung entfernt war und dass das Zelt von Straßen und Fahrwegen aus nicht gesehen werden konnte. So kann man übrigens auch in Deutschland, wo das wild Zelten generell verboten ist, oft einen Platz finden, an dem man unentdeckt und unbehelligt bleibt. Die Dunkelheit der Nacht bietet zusätzlichen Schutz. An die Ruhe und den morgendlichen Gesang der Vögel und an die kühle und etwas feuchte Nachtluft gewöhnt man sich mit der Zeit so sehr, dass man sich schließlich schon nach einer einzigen Nacht in einem Hotelzimmer heftig an die Nächte in der Natur zurück sehnt.
Zeltausrüstung:
2-Personen-Tunnelzelt mit Innen- und Außenzelt, insgesamt ca. 2,3 kg. (Am Besten: Nallo2 von Hilleberg. Der Preis von fast 1.000,00 DM ist zwar hoch. Bei den billigeren ähnlichen Produkten vermisst man später aber manches wichtige Detail, was in Produktbeschreibungen und auch von Fachverkäufern üblicherweise nicht erwähnt wird.) So ein 2-Personen-Tunnelzelt ist vom Gewicht her noch akzeptabel, andererseits aber groß genug, dass man sich darin auch noch bei Regen umziehen kann und dass man Packtaschen und Proviant über Nacht mit ins Zelt nehmen kann.
Vor dem Zeltaufbau breite ich eine leichte Kunststoffplane (steife Folie) aus, die zwar leicht, aber fest genug sein muss, um spitzen Steinen und Zweigen mehrere Wochen lang zu widerstehen. Diese Folie muss etwas kleiner sein als die Grundfläche des Zeltes, sonst sammelt sich bei Regen das Wasser, das vom Zeltdach abläuft, unter dem Zelt. Beim Zusammenpacken hat man so immer einen sauberen und meist auch trockenen Zeltboden. Mit der Folie zieht man sich kaum Schmutz und Feuchtigkeit ins Gepäck, wenn man sie richtig zusammenlegt.
Im Zelt verwende ich eine 50 cm breite selbstaufblasende Luftmatratze. Beim Verpacken ist die zwar deutlich sperriger als die üblichen 40 cm breiten Matratzen. Diesen Nachteil nehme ich aber bewusst in Kauf, weil ich sonst bei mittleren Temperaturen und entsprechend geöffnetem Schlafsack mit den Armen auf dem kalten Zeltboden liege, was mir auf Dauer überhaupt nicht gut tut.
Desweiteren verwende ich einen mittelwarmen Daunenschlafsack (Mumienform) und ein kleines flaches Kopfkissen mit Kunstfaserfüllung. Bei so viel Komfort kommt man nur selten in eine moralische Talsohle. (Darauf zu achten, ist meiner Meinung nach wichtig!)
Dringend empfehlen möchte ich die Mitnahme einer Rettungsfolie (160 cm x 210 cm = 60 gr.). Wegen dem Schwitzwasser, das sich unter der hauchdünnen goldglänzenden Folie bildet wenn man sich damit zudeckt, habe ich sie in den zweieinhalb Monaten nur in drei wirklich kalten Nächten verwendet. Dann wurde die Rettungsdecke ihrem Namen aber sehr ernsthaft gerecht, denn solche Nächte können schrecklich lang werden, wenn man erst mal durchgefroren ist.
Ernährung:
Auf der gesamten Strecke kommt man täglich an Gasthäusern, Restaurants, ordentlichen Imbissbuden oder dergleichen vorbei. Die Küche in Tschechien ist alleine schon eine Reise wert. Auch in Polen, den baltischen Staaten und Russland ist die Küche allemal besser als in weiten Teilen Norddeutschlands. Die Preise bis zur norwegischen Grenze lagen für ein komplettes Essen zwischen 3,00 DM (!) und 15,00 DM, waren im Durchschnitt also erheblich günstiger als in Deutschland (Ausnahme: Einzelne Hotels an der Strecke bis Petersburg, die ausschließlich von westlichen Touristen aufgesucht werden und bei Ausstattung, Service und Preisen erstklassigen Häusern in Deutschland ebenbürtig sind.) Auch Einkaufsmöglichkeiten findet man täglich. In Russland sind die vielen großen und kleinen Läden (Produkti = Lebensmittelgeschäft, Magazini = Geschäft allgemein) voller Waren und meistens auch am Sonntag geöffnet. In den anderen Ländern sind die Öffnungszeiten ähnlich wie bei uns; darauf muss man am Wochenende achten. In Russland gab es nur ein einziges Mal - auf einer der langen Etappen durch die Tundra - auf 160 km absolut nichts, keine Imbissbude, keine Abzweigung zu einem Dorf, kein einziges Haus, nur Wildnis.
Ich hatte immer Proviant und Getränke für etwa zwei Tage dabei. Die Getränke fallen dabei im wahrsten Sinne des Wortes ins Gewicht. (Vielleicht hätte man hier noch etwa 1 bis 3 kg einsparen können.) Fruchtsäfte oder Milch sollte man nicht in die Fahrrad-Trinkflaschen umfüllen. Es bilden sich dort sonst faulige Ablagerungen, die ohne Flaschenbürste auch bei gründlichem Waschen kaum herauszubekommen sind. Besser ist es, Fruchtsäfte und Milch aus den auch in Russland üblichen Tetrapacks in leergetrunkene Mineralwasser- und Colaflaschen umzufüllen, die man immer wieder durch neue Flaschen ersetzt. Die Mitnahme einer unhandlichen Flaschenbürste kann man sich dann sparen. Die üblichen Trinkflaschen in ihren Halterungen sollten wirklich nur fürs Wasser reserviert bleiben. Die zusätzlichen Saft- und Colaflaschen lassen sich sehr gut auf den Frontroller-Packtaschen festschnallen. Hinsichtlich der Gewichstverteilung auf dem Rad waren sie dort besser aufgehoben als auf dem hinteren Gepäckträger.
An festem Proviant bewährte sich bis zur norwegischen Grenze das in Nordost-Europa übliche, sehr bekömmliche grobkörnige Weißbrot. Dazu passen sehr gut Schokolade, Äpfel und schnittfester Butterkäse. Wurst, Butter und Süßigkeiten verderben sehr schnell in der Wärme auf der Straße und schmecken mir eigenartigerweise auch nicht, wenn ich unterwegs bin. Das Gleiche gilt für alkoholische Getränke (Bier). Später in Norwegen habe ich das Brot, das dort so wie bei uns viel luftiger und weniger haltbar ist, durch Müsli ersetzt, das ich noch mit Nüssen und Rosinen anreicherte. Sinnvoll ist es, für das Müsli einen Löffel mitzunehmen. Der ist auch sehr praktisch, wenn man sich gelegentlich einen Becher Joghurt kauft. Das abwechslungsreiche Angebot der vielen Imbissbuden zwischen Warschau und Murmansk gab es in Norwegen nicht mehr, dafür aber in jedem Supermarkt Müsli, Joghurt und Obst und an jeder Tankstelle erstklassige, große Hamburger mit reichlich Salat und frischen Dressings.