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Dreitägiger Fahrrad-Ausflug von der Côte d'Azur zum Canyon du Verdon
Dieser Bericht beschreibt eine Dreitagestour zu einem der beeindruckendsten Ziele in der Provence. Es wurden ca. 300 km zurückgelegt, überwiegend auf verkehrsarmen Nebenstraßen. Radwege gibt es in der Region Provence-Côte d'Azur nur entlang der Küste, nicht aber im hier befahrenen Binnenland. Die Gegend ist hügelig. D.h. das Rad sollte eine ordentliche Gangschaltung und gute Bremsen besitzen, und man sollte aus Gewichtsgründen beim Gepäck sparen. Eine Voll-Federung bringt auf dieser Strecke nichts, nur zusätzliches Gewicht.
Zu beachten sind die klimatischen Besonderheiten im Bergland der Provence: Die Gegend ist insgesamt relativ trocken. Sehr oft ist der Himmel wolkenlos. Im Sommer steht die Sonne fast im Zenit und es kann höllisch heiß werden. Nachts kühlt es vor allem in den höheren Lagen kräftig ab. Als Reisezeit kann man deshalb nur zum Herbst oder Frühjahr raten.
ACHTUNG! In Frankreich sind in den letzten Jahren überall Kreisverkehre gebaut worden, oft zweispurig. Es gelten theoretisch die gleichen Verkehrsregeln wie in Deutschland. Praktisch hat sich aber Folgendes eingebürgert: Wer im Kreisverkehr bleibt, fährt auf der linken (inneren) Spur oder blinkt nach links. Wer rechts fährt und nicht blinkt, verlässt den Kreisverkehr. Passen Sie sich an! Tun Sie als Radfahrer immer den linken Arm raus, wenn Sie im Kreisverkehr bleiben. Anderenfalls werden Sie über kurz oder lang unweigerlich zusammengefahren!
Weinlese im Anbaugebiet 'Côtes de Provence'
Ausgangspunkt der Tour war Carqueiranne, ein Ort an der Côte d'Azur zwischen Hyeres und Toulon.
Zunächst verläuft die Strecke durch ein breites Tal in nordöstlicher Richtung. Das Tal ist überwiegend von Weinfeldern bedeckt. Angebaut werden ausschließlich rote Trauben, aus denen der in diesem Teil Südfrankreichs sehr beliebte Rose mit der Bezeichnung Côte de Provence gewonnen wird.
Die Weinlese war jetzt, Anfang September, in vollem Gang.
Kaum merklich steigt das Tal an. Nach gut 30 km hat man wenige km vor Carnoules eine Höhe von etwa 200 Metern und eine kleine Wasserscheide erreicht. Der Kiefernwald, der vorher nur die Berge links und rechts des Tals bedeckt hatte, rückt nun zusammen und einige kleinere Hügel treten an die Stelle der Felder mit den Rebstöcken.
Weiter auf ruhiger Straße zwischen bewaldeten Hügeln sehr abwechslungsreich über Besse, Cabasse, Carces und das besonders reizvolle Cotignac zu dem sehr touristisch geprägten Aups. Auf den letzten 20 km wurde die Strecke zunehmend wellig und hinter Cotignac und Aups waren zwei längere Anstiege (ca. 150 und 280 Höhenmeter) zu bewältigen. Bei den an sich noch angenehm warmen Abendtemperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit.
Nachts hatte es auf dem Höhenzug hinter Aups (knapp 800 MüM) merklich abgekühlt. Wegen der zu erwartenden Mittagshitze startete ich noch vor Sonnenaufgang. Bei der flotten Abfahrt am frühen Morgen war ich aber zunächst froh, dass ich meine winddichte Regenjacke anziehen konnte.
Zunächst einige km durch das waldreiche, menschenleere Gebiet oberhalb des Stausees 'Lac de St.Croix'. Dann ein kleiner Ort am See, unübersehbar eine Reißbrett-Schöpfung - aber ganz nett. Dann das obere Ende des Sees mit großem Camping-Platz und Bootsverleih. Hier mündet der Canyon mit dem kleinen Fluß Verdon in den See.
Die Straße auf der Nordseite des Canyon du Verdon
Wenige km hinter der Einmündung der Schlucht beginnt der Anstieg zu der Panoramastraße, die am Nordhang des Canyon auf über 1.000 MüM (Meter über Meeresspielgel) klettert.
Kurz bevor die Straße ihre höchste Stelle erreicht, verlässt sie die Schlucht. Der Canyon macht hier einen weiten Bogen, welcher von der Straße abgeschnitten wird. 2 km hinter der höchsten Stelle liegt auf 833 MüM der Ort 'la Palud'. Von ihm aus führt eine Rundstrecke mit vielen Aussichtspunkten zu dem Bogen des Canyons, die 'Route des Crêtes'. Diese Rundstrecke ist 24 km lang und pendelt wiederholt zwischen 600 und 1.200 MüM.
ACHTUNG: Normalerweise ist der Verdon kein besonders gefährliches Gewässer. Es gibt allerdings Stücke im Canyon, in denen man das Flussbett wegen der steil aufragenden Felsen zu beiden Seiten nicht verlassen kann. Bei einem Unfall (z.B. wegen Kenterung in einer Stromschnelle) kann man dort auch keine Hilfe von außen erwarten. Eine rafting- oder Kanu-Tour durch den Canyon sollte man deshalb nur unter Begleitung eines erfahrenen und mit den lokalen Verhältnissen vertrauten Betreuers unternehmen. Beim Campingplatz oberhalb der Einfahrt in den Canyon werden rafting- und Kanu-Touren von einheimischen Dienstleistern angeboten.
Ganz besonders gefährlich kann die Situation hier bei Gewittern werden. Das Wasser steigt dann in kürzester Zeit stark an und das idyllische Flüsschen wird zu einem reißenden, wilden Fluss! Am 12. Juni 2008 wurde eine Gruppe von 12 Deutschen von einer solchen Situation überrascht. Drei von Ihnen kamen dabei um.
Von Comps zurück an die Küste
(Gewählte Strecke vgl. Kartenausschnitt.) Bis Draguignan landschaftlich sehr schöne Nebenstraße mit wenig Verkehr.
Von Draguignan bis Carnoules eine breite Hauptstraße ohne nennenswertes Auf und Ab. Der Autoverkehr fließt hier hauptsächlich auf der parallel verlaufenden Autobahn. Der Rest des Weges zurück zur Küste ging wieder auf der eingangs beschriebenen kleinen Nebenstraße durch das breite Tal mit den Weinfeldern.
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